Dienstag, 27. Juni 2006

Bruno the bear

Jetzt haben doch diese Idioten tatsächlich den armen Bären abgeknallt. Das war ja mal wieder ein Glanzleistung der Tiroler und Bayrischen Politik. Sind wir mal ehrlich: es liegt doch in der Natur eines Bären, Beutetiere zu erlegen, und daß Honig ein Bärenleckerbissen ist sollte auch keine Neuigkeit sein. Daß also ein Bär, der Schafe und Hasen reißt oder Bienenstöcke plündert nun plötzlich als „Sonderling, der tötet aus Lust am töten“ (A. Steixner, seines Zeichens Tiroler Agrarlandesrat) gilt, deutet doch auf wenig Verständnis für das Wesen eines Bären.
Hier in Canada hat die Geschichte in den letzten Wochen bestenfalls Kopfschütteln ausgelöst. Erschossen wird ein Bär hier nur dann, wenn er Menschen bedroht oder attackiert. Der arme Bruno weder das auch nur annähernd getan, noch hat er, soweit ich das aus den Medien beurteilen kann, wirklich die Scheu vor dem Menschen verloren. Was ihn zu Problembären gemacht hat war einzig und allein die Unfähigkeit, der Menschen, damit umzugehen, daß es nach mehr als 100 Jahren wieder ein Raubtier in der Gegend gibt.
Hier sieht man das alles jedenfalls wesentlich lockerer. So war zum Beispiel vor einiger Zeit ein Bär IN der Küche einer Dame in West-Vancouver und hat genüsslich Haferflocken verspeist. Die Frau hat die Polizei gerufen, diese hat sich die Sache angesehen, und nachdem der Bär nicht randaliert hat, beschlossen GAR NICHTS zu tun. Nach einiger Zeit hatte der Bär dann genug Haferflocken und ist wieder im Wald verschwunden (Schaden: Verlust von ein paar Haferflocken und eine zerbrochene Schüssel - Ende der Geschichte; Zeitungsartikel hier).
In Ottawa ist vor 2-3 Wochen ein Bär durch in eine Wohngegend mitten in der Stadt spaziert, und auch der Onkel von Laura hatte schon mal einen Bären im Garten (die kleine Tochter hat ihn gesehn' und die Mami gerufen...). Mountainbiker sehen im Gatineau Park 20 min von hier laufend Bären, so zum Beispiel der Sohn von einem Kollegen letzte Woche. Auch als ich gestern selbst in der Gegend mit dem Rad unterwegs war und unter anderem einen Biber und einen Hirsch gesehen hab’, hat mir einer von einem Bären erzählt, den er an der selben Stelle vor ein paar Tagen gesehen hat.
Und in keinem der beschriebenen Fälle ist jemand auch nur auf die Idee gekommen, man müsste das arme Tier gleich über den Haufen schießen...

3 Kommentare:

Anonymous hat gesagt…

der bär ist zwar problematisch oft in siedlungsbebiete vorgedrungen, (was in mitteleuropa auch schwer zu vermeiden ist,..) ist aber Menschen nie gefährlich geworden.

Der Hüttenwirt, der die Polizei vertändigt hat, als man den Bär dan erlegte, hat gesagt, er habe ihn durch Schreie vertrieben.
Das habe ich in Nfdl. auch geschafft, scheint als ein natürliches Verhalten zu sein.

Seltsam ist weiters, dass der Bär zwar in Tirol schon zum Abschuss frei gegeben war, in Bayern aber erst am nächsten Tag hätte erlegt werden dürfen. Genau genommen also ein illegaller Abschuss, und auf wilderei stehen bis zu 5 Jahre.

Eine komische Optik ist bei der ganzen sache sowieso nicht zu leugnen: 5 Stunden nachdem der bär in Tirol (und nur dort) zum Abschuss frei war, war er auch schon tot, davor konnte er wochenlang nicht gefunden werden ??? (1 mal hatten die Hunde den bären sogar gestellt, aber wegen eines Gewitters "musste" der suchtrupp (einer für ganz tirol und bayern) in einer Hütte unterschlupf suchen!!!!! komisch dass der bär nicht gewartet hat, bis der Regen vorbei war).
Da kann ich nur sagen scheiß bajuwaren (und da gehören die Tiroler dazu).

Schick den star-artikel doch an steixner (dessen bruder als jagtbeauftragter auch gegen den Abschuss war)
#79

P.S. Wenn es in gatineau doch so viele bären gibt, bin ich mir nicht mehr so sicher was ich letzten August durch die Büsche springen gesehen habe.

Anonymous hat gesagt…

der zeitungsartikel ist (momentan) nicht (mehr) verfügbar
#79

Tobias hat gesagt…

Ja, daß Du den Bären in Neufundland mit schreien den Berg hinauf gejagt hast ist mir bei er Geschichte auch eingefallen. Und was das große dunkle Ding im Gebüsch in Gatineau das Du gesehn hast angeht habe ich mittlerweile auch meine Zweifel ob das wohl ein Hirsch war...
Übrigens: Bei mir funktioniert der Zeitungsartikel... Wenn's bei Euch nicht geht bitte melden. Aber vielleicht sollte ich den wirklich an den Steixner schicken...